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Interviews

Dr. Motte

Monstermässig weitergemixt

  • Text: SB / Foto: Yves Borgwardt
  • 12 June 2015

14 Jahre nach seiner Compilation "Monstermix Vol.1" veröffentlicht Dr. Motte nun deren Nachfolger. Darauf enthalten sind Tracks zahlreicher Wegbegleiter, Freunde und Kollegen, wie u.a. Robert Babicz, Alex Bau, Ken Ishii, DJ Rush und Gabriel Le Mar. Grund genug also, um den Arzt unseres Vertrauens zwischen den Terminen seiner aktuell laufenden Jubiläumstour zur Konsultation zu bitten.


Als Punk, DJ, Produzenten, Gründer der Love Parade und GEMA-Kritiker kannte man dich ja bereits. Nun ist eine weitere Rolle hinzugekommen: Pate eines Schopfmangaben-Äffchens namens „Dr. Motte". Wie kam es dazu?
„Das hatte bei seiner Geburt seine Mutter verloren und wurde erst mal von der Tierpflegerin Sandy be- treut, bei der es zu Beginn auch zuhause gewohnt hat. Aber da hat es im wahrsten Sinne des Wortes alles auf den Kopf gestellt. So ein Affe kann ja richtig Gas geben und man muss den erst mal erziehen. Der war wohl richtig turbulent und hat auch die Tapeten heruntergerissen.Weil man im Wingster Zoo bereits Schopfmangaben hatte, hat man dort versucht ein Weibchen dazu zu bringen, dass es das Äffchen adoptiert. Das hat auch geklappt. Ich habe mir das gestern vor Ort angeschaut und es wirkt wirklich so, als wenn das seine Mutter wäre. Wenn man dem zu nahe tritt und es anfängt zu quieken, dann kommt die Alte sofort angerannt und nimmt es weg."

Bekommt dein "Mini-Me" jetzt auch eine Hymne von dir geschrieben?
„Gute Idee eigentlich, wer weiß?"

Deine 30-Jahre-Jubiläums-Tour Friede, Freude Eierkuchen ist seit Anfang des Jahres voll im Gange. Wo warst du bereits, welche Termine stehen demnächst an?
„Ich war u.a. in Indien; in Delhi und Goa. Besonders Goa hat mir sehr viel Spaß gemacht, weil ich da bislang noch nicht war. Und kürzlich auf der Mayday, da habe ich dann mal nicht die bekannten Klassiker gespielt, sondern eher unbekanntere Sachen. Jetzt kommt Holland, danach Italien, Ungarn, Polen, die Nature One natürlich und im November bin ich dann vom Goethe Institut aus in Australien."

Wird die Tour danach in deutschen Clubs weitergeführt und wo kann man dich dort in nächster Zeit erleben?
„Da bin ich ja sowieso die ganze Zeit dabei und von mir aus könnte das auch ewig so weitergehen. Genau- genommen habe ich ja seit 1992 keinen Stammclub mehr und tingel seitdem herum. Mit der 30-JahresTour bekommt das aber noch eine ganz andere Dynamik."

Für deine Tour nutzt du das Motto der ersten Loveparade. Wird dir das auf Dauer nicht langweilig?
„Das ist für mich das Technomotto schlechthin. Damit sind wir alle groß geworden. Und ich finde, die Fahne kann man gar nicht hoch genug halten. Für mich ist Elektronische Musik, in jeder Form, der Ausdruck friedlichen, musikalischen Zusammenseins."

Dies hat ja angesichts der Kriege und Unruhen in der Welt, nach wie vor einen aktuellen Bezug, sozusagen als Gegenpol dazu.
„Absolut. Und wir Deutschen stehen hier in einer besonderen Verantwortung. Man muss sich aktuell nur einmal anschauen, wie stark sich Deutschland direkt oder indirekt durch Waffenlieferungen in solche Konflikte einbringt. Dies ist nicht die Welt, die ich mir vorstelle. Ich möchte viel lieber an einer Frieden bildenden Bewegung teilnehmen. Wir bringen Völkerverständigung in Form des Tanzes ein. Es gibt ja viele Bücher zum Thema DJ Kultur und wo wir eigentlich herkommen, wie z.B. `Der Klang der Familie´."

Ist da demnächst auch eines von dir geplant?
„Angedacht ja, aber mehr auch erst mal nicht. Da muss ich noch länger überlegen, wie ich da ran gehe. Ich bin ja nicht der beste Schreiber und benötige dazu einfach Hilfe. Das bedeutet auch immer ganz viel Arbeit und ich bin aktuell sowieso schon genug eingespannt."

Zu deinem Jubiläum erscheint mit "Monstermix Vol.2" jetzt eine neue Compilation von dir auf Universal. Warum hast du dich gegen ein Release auf Praxxiz entschieden?
„Nun, bei so einem Jubiläum und wenn man eine alte Geschichte nach so langer Zeit fortsetzt, dann mache ich das lieber mit einem starken Partner. Ich möchte ja auch, dass für alle Beteiligten das Beste dabei rauskommt. Es spricht auch gar nichts dagegen so etwas mit einem starken Major zu machen, wenn dieses darauf eingeht, was man gerne damit machen möchte."

Nach welchen Kriterien hast du die Tracks kuratiert?
„Das ist eine Mischung aus den Acts, die ich mag. Aus alten Hasen, mit denen ich schon auf der Love Parade gewesen bin und natürlich aktuellen Künstlern, die ich gut finde. Das Ganze ist in Bezug auf den Musikstil eine kaleidoskopische Sache. Das geht von den Detroitern Octave One und AUX 88, bis hin zu verhältnismäßig jungen Künstlern wie Daniel Boon und DJ Emerson. Ich habe versucht die alle in ein Paket zu packen und ich glaube, dies ist auch ganz gut gelungen. Man hat jetzt eine Band- breite, die geht von Detroit Techno, bis hin zu Ken Ishii aus Japan. Ich wollte da ein internationales Niveau hineinbringen. `Monstermix´ bedeutet für mich auch ein hochkarätiges Line-up. Ich habe den Künstlern aber nicht vorgegeben, welches Stück ich von Ihnen möchte, sondern habe denen gesagt, dass sie einfach mal etwas schicken sollen, von dem sie denken, dass es da reinpasst. Ich habe also die Acts ausgewählt, nicht jedoch die Titel. Diese haben die Künstler ausgewählt. Ich möchte das jetzt wieder regelmäßiger machen und als Abgrenzung zu kommerzieller ausgerichteten Compilations eine hochkarätige Auswahl an Alternativen anbieten – natürlich immer gefiltert dadurch, was ich selbst gut finde."

Gab es auch Trackvorschläge, die du abgelehnt hast?
„Ich bin da eigentlich ganz entspannt herangegangen. Natürlich wollte ich schon die Entscheidungshoheit haben, was ich da reinnehme, auf der anderen Seite aber auch dem Künstler die Freiheit geben, was er dabei haben möchte. Bei weiteren Fortsetzungen in der Zukunft werde ich nochmals etwas anders herangehen und die Künstler bitten, ausschließlich exklusiv für die Compilation zu produzieren."

Hast du dir schon Gedanken über die zukünftige Frequenz solcher Releases gemacht?
„Vielleicht einmal im Jahr oder zweimal: zum Saisonbeginn und zum -ende. Da muss man aber erst mal schauen, wie es sich entwickelt."

Derzeit arbeitest du auch an deinem neuen Album. Wann dürfen wir damit rechnen?
„Eigentlich möchte ich das zu Weihnachten fertig haben, aber ich muss mal schauen. Man kann einen Künstler nicht zwingen da mechanisch heranzugehen. Das braucht noch ein bisschen Zeit. Und ich habe ja auch einen gewissen Anspruch. Kürzlich habe ich mich an mein Album `Chillout Planet Earth´ von 1992 erinnert und mir die Frage gestellt, ob man es hinbekommt so frei Musik zu machen. Will man jetzt bestimmte Musik in bestimmte Schubladen pressen, möchte man einen kommerziellen Erfolg oder was macht man draus? Ich versuche eigentlich immer Musik aus mir selber herauszuholen und die ist dann halt so, wie sie ist. Und mit dem ganzen Business im Augenblick, habe ich viel zu wenig Zeit, um in mich hineinzuhören, was ich eigentlich wirklich will. Was für elektronische Musik steckt in mir? Diese Zeit muss ich mir einfach nehmen. Und das Album benötigt ja auch noch ein bestimmtes Konzept. Ich bin also an dem Albumthema dran, es fällt mir aber gerade nicht leicht. Mir macht es aktuell mehr Spaß an Remixen zu arbeiten."

Dr. Motte - "Monster Mix Vol. 2" ist auf Polystar/Universal erschienen und als Doppel-CD, 4-fach-Vinyl und Download auf Amazon digital, Google Play und iTunes erhältlich.


Tracklisting:
Disc 1
1. Octave One - Horizonz Theory Edit
2. Ken Ishii - Daydreamers
3. Secret Cinema - Kurzweil
4. The Hacker - Planète Interdite
5. Dr. Motte meets Gabriel Le Mar – Fever
6. Thomas P. Heckmann – Schizo (Unreleased Original Mix)
7. Tom Hades – Matrix 001
8. Miss Djax - Forbidden Dance
9. DJ Rush - It's It's Magic
10. Robert Babicz - Vampire
11. Hardfloor - We Never Promised You A Rose Garden
12. Jam & Motte - Oscars Acid

Disc 2
1. AUX 88 feat. A Number Of Names - Sharivari (AUX 88 Mad Scientist Festival DJ Mix)
2. Monika Kruse meets Pig&Dan – Soulstice
3. Alex Bau – Chameleon
4. Pig&Dan - Unstoppable
5. Eric Sneo - Without Me
6. Tom Wax feat. Nova - Where Words Fail Music Speaks
7. S-File - Lost Itself
8. Joachim Spieth - Dark Matter
9. DJ Emerson – Origins
10. Sven Schaller – Parallel
11. Gabriel Le Mar - Komm in meine Welt
12. Daniel Boon - The System

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