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Marc Romboy

Eine Planetenreise als Kur für die Ohren

  • Harry Schmidt
  • 10 April 2017
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Insbesondere die Fremdartigkeit der Sounds habe bei ihm eine Faszination ausgelöst, die bis heute anhält. Im Düsseldorfer Nachtleben kam er in den späten Achtzigern erstmals mit dem seinerzeit brandneuen, revolutionären Sound in Berührung. Als Early Adopter hat Romboy die Entwicklung somit fast von Beginn an mitverfolgt – und auch mitgeprägt. Anfang der Neunziger schmeißt er sein Medizinstudium in Düsseldorf und gründet mit Klaus Derichs das Label Alphabet City mit zahlreichen Subdivisions wie Le Petit Prince, School Records, T:Classixx und Trackland. Als Labelmanager sammelt Romboy Erfahrungen mit der organisatorischen Seite der Dinge, zusammen mit Klaus Derichs und Jürgen Driessen entstehen erste Produktionen unter verschiedenen Namen. Vor allem ihr Projekt Marc Et Claude zieht rasch Aufmerksamkeit auf sich: Mit „Toulouse“ gelingt ihnen 1993 ein Trance-Hit, auch das 1997 veröffentlichte „La“ zieht weite Kreise, ein Remix von Pete Tong katapultiert die Single in die britischen Charts, wo Marc Et Claude im Jahr 2000 mit „I Need Your Lovin’ (Like the Sunshine)“ schließlich ihren größten Erfolg feiern: Bis auf Platz 12 rückt die auf einem Sample der Synthie-Wave-Band The Korgis basierende Nummer vor.

Mit seinem 2002 gegründeten Label Systematic erfolgte eine neue Weichenstellung: Romboy greift den aufkommenden Minimal-House-Sound auf und reklamiert nicht zu Unrecht für sich, mit Systematic so etwas wie „Emotionalität“ in den Tech-House der Nullerjahre gebracht zu haben. Neben Platten von Stephan Bodzin, die für das Profil des Imprints prägend werden, erscheinen dort Maxis von renommierten Producern wie Booka Shade, Phonique, John Dahlbäck und Martin Landsky. Mit seinen eigenen Alben „Gemini“ (2006) und „Contrast“ (2008) emanzipiert sich Romboy zunehmend vom poppigen Dancefloor-Standard der Jahrtausendwende. Bereits auf dem 2013 erschienenen, gemeinsam mit der japanischen Techno-Legende Ken Ishii produzierten Longplayer „Taiyo“ deutete sich an, was Romboy jetzt mit „Voyage de la planète“ vorstellt: „Elektronische Musik muss nicht zwangsläufig Tanzmusik sein“, erklärt er den Ansatz seines neuen Albums und verweist auf ältere Vorbilder wie Pink Floyd oder Tangerine Dream: „Das kann auch etwas sein, das man sich unter dem Kopfhörer anhört“. Nachdem Techno für gut zwei Dekaden ein Feld nahezu konstanter Innovation gewesen sei, habe er vor einigen Jahren gespürt, dass ein Punkt der Sättigung erreicht war, das Genre zunehmend in eine Sackgasse geriet: „Es wurde immer schwerer, gute Sachen zu finden. Zu hart, zu stupide, zu uninspirierend – einfach grau“ sei der vorherrschende Eindruck gewesen, den die Szene auf ihn gemacht hat, verglichen mit der Buntheit der Loveparade Anfang der Neunziger. Eine Beobachtung, die den viel gebuchten DJ dazu gebracht hat, auf den langen Autofahrten nach seinen Club-Sets Radiosender mit klassischem Musikprogramm einzuschalten: „Da hab ich gemerkt, dass mich diese Musik immer mehr anzieht, weil das Angenehme, Wohlige darin auch wie eine Kur für meine Ohren gewirkt hat.“

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