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Post-Gig-Euphorie auf Ibiza

Tipp: Frag auf der Afterhour niemals nach der Zeit

  • Text: The Secret DJ / Illustration: Alex Jenkins
  • 9 July 2017

Entgegen den verschlungenen Wegen in die Eingeweide Ibizas, hat der Abgang etwas mit dem Verlassen eines Büros gemein. Nur ein paar Feuertüren aufgedrückt und eine brutale Explosion an Licht und Hitze erinnert daran, dass es sowohl unglaublicherweise wieder Tag und dampfend heiß ist. Du weißt du solltest zurück ins Hotel gehen. Du willst es. Aber das wird nicht passieren.

Viel zu oft schon hast du es versucht und bist gescheitert.

Es ist nicht nur der Rausch, auf dem du noch von deiner Performance hängst, deine innere Uhr hat sich verstellt. Der Flug geht in ein paar Stunden. Besser also weitermachen als alleine in einem Zimmer auf- und abzugehen. Eine Location, um weiterzumachen, findet sich immer. Der Veranstalter fährt uns zu einer finsteren Spelunke, die eindeutig eine Art Bordell ist. Ibiza fungiert seit langer Zeit als Partyzentrale und unter all dem Glitzer gibt es eine schäbige Schattenseite.

Torkel durch die traurigen, müden, verwelkenden „Girls“. Nicke den beiden uralten Einheimischen zu, die auf Stühlen sitzen und arbeite dich weiter nach hinten zu einer Terrasse vor, voll mit Plastik-Hummern in Fischernetzen, künstlichen Palmen und Rattan – und einigen hundert Panda-äugigen Veteranen der Nacht. Das ist ein Schwirren, das du beinahe greifen kannst. Es ist großartig nach der Isolation der DJ Booth mit Leuten zu sprechen. Eine Crowd kann dir zujubeln, aber manchmal ist es besser, wenn dir danach eine tatsächliche Person dankt – das ist echter. Es war ja eh nicht du, dem sie vorhin abgefeiert haben. Es war die Musik, die Party. Wenn du glaubst du wärst es, nun gut, da fängt der Irrsinn an. Daher ist es toll Leuten aus der letzten Nacht zu begegnen, so als wärst du einfach einer von ihnen, aber hättest allen Kontakt vermieden. Sowie „The Boy In The Bubble“ halt. Irre Fratzen und grinsende Ikonen schlagen dir entgegen. Selbst wenn du nicht glaubst, dass die Nacht sich um dich dreht, viele von ihnen tun es. Und wenn jemand eine miese Nacht hatte, ist es ebenfalls deine Schuld. In diesen Momenten ist es so leicht die Perspektive zu verlieren. Den Hype über sich zu glauben. Ich bin ganz hervorragend darin.

Dann senkt sich der Rausch und eine körperliche Müdigkeit setzt ein. Nun ist es wirklich zu spät, um zurück ins Hotel zu gehen und wenig mehr als zwei Stunden schlechten Schlafes zu erhaschen oder sich einsam einen runterzuholen. Es ist der Zeiptunkt, in dem du denkst „scheiß drauf“ und ein kleines bisschen machst, nur um den „Absturz zu vermeiden“. Jeder hat seine eigenen Ausreden. Bleib du doch mal 22 Stunden auf den Beinen zum Reisen und Arbeiten und erzähle mir danach etwas zum Thema Müdigkeit. Schlechte Entscheidungen sind dann unvermeidlich. Sobald die Drogen sich mit der Erschöpfung im Las Vegas deiner Eingeweide vermählen, macht urplötzlich alles Sinn. Jeder hört auf einmal auf sonderbar oder hilfsbedürftig auszusehen und du erinnerst dich wieder daran: Dies sind deine Leute.

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