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Interviews

​Anja Schneider

„Ich fühle mich irgendwie freier“

  • Katrin Richter
  • 6 May 2016
​Anja Schneider

Anja Schneider ist eine Ikone der deutschen elektronischen Musikszene. Seit dem Jahre 2000 ist sie jeden Samstag von 22 bis 0 Uhr auf dem Berliner Sender Radio Fritz zu hören, wo sie neue Clubmusik vorstellt, und ihre Labels Mobilee und Leena sind zu Institutionen für einen explizit feierfreudigen Sound geworden, der trotz seiner Massenkompatibilität eine Art ernsthaften Spirit um die Welt transportiert und immer internationaler werdend neue Tendenzen markiert. Die um den Globus jettende DJane nahm sich trotz all ihrer Verpflichtungen Zeit für uns, um anlässlich des von ihr kuratierten neuesten Teils unserer Compilation-Reihe mit uns zu sprechen.

Du bist ja sehr aktiv hinter den Turntables und durch das Label auch gut eingespannt. Wo bist du gerade und was steht aktuell so an?
Ich bin gerade noch in Berlin und warte darauf, dass mein Sohn von seinem Papa abgeholt werden kann. Somit habe ich dieses Wochenende freie Bahn. Heute bin ich in Ulm bei Stuttgart bei Re.You, Freitag dann in Belfast und Samstag dann wieder hier auf einem Event.

Stimmt, dein Sohn. Der ist ja mittlerweile fünf. Wie läuft das denn? Wie funktioniert das für dich, bei dem ganzen Musikbusiness die Balance zu halten mit dem Elterndasein?
Das läuft gut. Natürlich wäre es toll, wenn das Ganze einfacher wäre. Aber das geht. Das ist alles eine Frage der Organisation. Das ist für mich auch super, das anzusprechen, warum nicht? Alle männlichen Kollegen haben ja auch Kinder und kriegen das hin. Und es ist schon wichtig und schön, wenn man Frauen damit auch Mut machen kann, in dem man drüber redet und ihnen vormacht, dass es durchaus möglich ist, Kinder zu haben und auch als DJ aktiv zu sein. Ida Engberg mit ihren drei Mädels ist da natürlich in kürzester Zeit ein absolutes Paradebeispiel. Seitdem sie Mutter ist, ist sie auch als DJ noch bekannter geworden, es hat ihrer Karriere also keineswegs geschadet, dass sie sich dazu bekennt. DJ-Frauen sind auch Frauen, die können auch eine Familie starten und trotzdem Erfolg haben.

Was sind dabei so die Empfindungen?
Es ist wunderschön. Wenn ich mein Kind sehe, bin ich glücklich. Manchmal, wenn ich auf dem Flughafen herum sitze, dann ertappe ich mich dabei, dass ich denke: die anderen grillen jetzt im Park, und ich hänge hier rum. Aber das würde mir als Anwältin ja auch passieren, dass ich nicht dabei sein könnte. Und das war auch vor dem Muttersein schon so. Es geht eben nicht alles. Daher strenge ich mich auch mehr an, bin aber auch trotzdem relaxter. Die Glücksgefühle, die ich dank meines Kindes habe, die hab ich selbst beim besten Gig nie so gehabt. Ich bin im Kopf viel freier geworden, sehe die Dinge nicht mehr so verbissen. Ob ich nun einen Hit produziere oder in Beatport charte, solche Grundsatzfragen haben sich alle relativiert. Ich habe schon so viele Afters miterlebt, da bin ich echt froh, dass es noch was anderes gibt. Dadurch fühle ich mich freier. Der Druck ist weg.

Vielleicht ist der Druck ja auch weniger geworden, weil du karrieretechnisch schon so viel erreicht hast?
Ja, das stimmt. Ich bin irre froh, dass ich das alles machen kann. Das ist das, was liebe, und es ist mein Leben geworden, und dafür bin ich dankbar. Dass man weitermachen kann, dass die Künstler und das Label erfolgreich sind. Das Label ist ja auch eine Plattform. Es ist alles nicht mehr so einfach, wie es vor zehn Jahren war. Aber wir sind immer noch da. Das hätten wir vor zehn Jahren vielleicht auch gar nicht gedacht, dass das so lange geht. Doch dann waren die Zeit auch ganz schnell rum. Eingetaktet in Saisons.

Du bist also froh, dass alles so gekommen ist, wie es gekommen ist?
Ja, schon immer. Das war schon immer genau das, was ich machen wollte. Es ist immer noch genau das Richtige. Natürlich hinterfragt man sich manchmal, was geht, wenn alle zwanzig Jahre jünger sind. Aber dann spielt man woanders und da sind auf einmal nur Leute, die so alt sind wie ich, und alles ist wieder relativ. Dass man alles in Frage gestellt hat, als der Plattenmarkt eingebrochen ist, ist normal.

Stimmt. Du hast schon vieles durchlaufen.
Ja, auch diese immense Flut von digitalen Releases. Kein Wunder, dass ich nicht mehr weiß, was wir vor sechs Jahren releast haben. Und ich bin ja wirklich jemand, der alle neue Musik anhört, die er zugeschickt bekommt, das nehme ich wirklich ernst. Habe Respekt vor neuen Produzenten. Zum Beispiel Trance. Das hätten wir ja mit der Zange nicht angefasst, aber dann kommen Leute wie Tale of Us und definieren das Genre neu. Ich bin sehr neugierig nach wie vor und liebe es, Neues zu spielen.

Und was gibt es bei dir so Neues?
Meine neue EP ist so gut wie fertig, einen Namen hat sie aber noch nicht. Und es kommt ein Track von mir auf der Moon Harbour Compilation. Mir war es wichtig, auch mal auf einem anderen Label als meinem was zu releasen.

Um zum Abschluss noch auf unsere aktuelle Compilation zu sprechen zu kommen, was ist da alles dabei?
Eigentlich alles mögliche aus dem Mobilee-Katalog der letzten zehn Jahren, mit einem besonderen Schwerpunkt von Sachen, die mich heute noch flashen. Ach, und alle drei Tracks meiner letzten EP. Ich spiele so gut wie nie meine eigenen Tracks, das ist mir peinlich, und im Radio stelle ich eigene Sachen nur anonym vor. Aber auf meine letzte EP bin ich echt stolz. Gemacht habe ich sie mit einem neuen Produzenten, und auch ganz viel analog. Nicht so schnelllebig in der Produktionsweise wie zuvor, mit ganz viel selbst eingespielten Synths. Das ist ein viel besseres Gefühl und hat auch mehr Bestand, finde ich.

Mixmag Germany presents Mobilee ist auf Amazon, Beatport, iTunes und Traxsource erschienen.

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(Fotos: zu Pan)

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