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Interviews

Hallo: Martin Waslewski

„Ich kann mir mein Sein einfach nicht ohne Musik vorstellen“

  • Mixmag Redaktion
  • 9 July 2015
Hallo: Martin Waslewski

Aus dem beschaulichen Halle entsteigen schon seit einigen Jahren spannende Acts, die nicht nur durch ihren eigenen Sound, sondern eben auch durch Attitüde und Charakter einen beinah eigenen Kosmos bilden. Neben Künstlern wie Super Flu auf der einen Seite oder auch Casimir von Oettingen auf der anderen Seite hinterlässt Martin Waslewski derzeit seine Fußspuren im Dickicht der Szene. Erste internationale Touren und Gigs im Inland reihen sich an ausgewählte Releases des Herrn, der gerne mal Rauschebart und Einhorn-Sweater trägt. Sein aktuelles Release findet sich auf dem Imprint „Heulsuse" von Hanne & Lore. Hier waren bis dato Künstler von Dirty Doering über Niconé bis hin zu Thomas Schumacher vertreten. Die Idee des Labels, Releases nicht nur digital sondern immer auch auf Kassette und teils Vinyl zu veröffentlichen, passt nicht nur zum analogen Klang Waslewskis. Auch die Grundeinstellung Dinge ein wenig anders anzugehen und Liebe ins Detail zu stecken, geht bei Label und Künstler einher. Martin Waslewski selbst ist nicht ganz klar einzuordnen, die Grenzen der elektronischen Musikstile verwischen in seinen Sets, welche es dennoch schaffen auf eine Soundreise einzuladen. Seine Produktionen lassen sich schon einfacher verorten, zumindest was die Klangfarbe und Fahrtrichtung betrifft.

Du hast gerade eine neue EP auf „HEULSUSE", dem Imprint von Hanne & Lore, releast. Wie bist du an die Produktion gegangen?
An meine meine Produktionen gehe ich eigentlich grundsätzlich ohne dabei daran zu denken: "Zu welchem Label könnte das jetzt passen?". Die Tracks sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Verlauf des letzten Jahres entstanden.

Ist die Arbeit im Studio für dich mittlerweile eine klare Routine mit festen Abläufen oder entstehen deine Tracks wie "Chain Gin" auf unterschiedliche Weise?
Das ist wirklich verschieden, entweder ich hab mal einen schönen Grundgroove und baue die Melodie und Co. drum herum. Oder ich finde eine schöne Line und arrangiere dann darunter das ganze Drumming.

Von Hardware bis Plug-in - auf welche Tools im Studio kannst du definitiv nicht verzichten?
Das einzig wahre "Waslewski Patentrezept" gibt es nicht, aber ich arbeite in letzter Zeit viel mit dem "Little One - Analog Synthesizer" für meine Bässe.

Der Sound, der aktuellen EP ist stark von organischen und warmen Einflüssen durchzogen. Spiegelt das auch deinen persönlichen Geschmack wider?
Absolut! Und wer meine Releases aus der Vergangenheit kennt, weiß, dass all meine Produktionen von organischen Elementen leben. Ich werde mich immer noch in die eine oder andere Richtung weiterentwickeln, aber ich glaube, dass meine Handschrift weiter zu hören sein wird.

Glaubst du, dass es bestimmter technischer Voraussetzungen bedarf, um einen persönlichen Sound zu kreieren?
Nein! Ich hab bis heute mein Studio nicht mit 100 Gerätschaften vollgestopft, ich hab gerade mal einen Synthesizer! Die Idee ist wichtig und die kann man zur Not auch im Magix Musicmaker umsetzen! Ich selber spüre, dass noch viel aus meiner Zeit als Hip-Hop-DJ und -Produzent mit in meine Produktionen einfließt.

Mit Hanne & Lore bist du auch über die Monaberry Familie verbunden. Wie aber kam es letzten Endes zu deinen Release auf Heulsuse?
Da wir uns jetzt schon eine Weile kennen und ich auch letztes Jahr von den Beiden einen wunderbaren Remix bekommen habe, war es mal an der Zeit auch was zurückzugeben und etwas auf ihrem Label zu releasen. Ich hab ihnen dann einfach mal eine Demo aus verschiedenen Tracks zukommen lassen und glücklicherweise passte es dann auch gleich.

Bei dir stehen nach einigen Gigs in Kanada Anfang des Jahres und weiteren Gigs in Spanien nun erst einmal wieder Termine in Deutschland an. Welche Städte und Clubs faszinieren dich besonders?
Ich spiele unheimlich gern in meiner Heimatstadt Halle im Charles Bronson. Der Club ist sozusagen mein zweites Zuhause und auch meine große Liebe, wir haben dort eine wunderbare Community, die ich nicht missen möchte. Ansonsten fällt mir die Wahl schwer, eine Stadt oder einen Club zu benennen, da ich einfach noch nicht genug Städte und Clubs gesehen, bzw. dort gespielt habe. Aber ich denke das wird sich in der Zukunft ändern.

Bist du grundsätzlich jemand, der lange Wartezeiten an Terminals, bei Flügen und Fahrten gut überbrücken kann? Wie nutzt du diese Zeit?
Bis jetzt klappt das ganz gut, ich bin auf keinen Fall jemand, der sich hinsetzt und am Laptop Musik produziert. Das funktioniert bei mir nur im Studio. Ich lese dann entweder einfach ein Buch oder spiele Gameboy bzw. durchforste zum hundertsten Mal Facebook und Co. Manchmal bin ich aber so k.o., dass ich dann einfach irgendwo penne und mir den Wecker stelle bis es wieder weiter geht.

Deine musikalischen Wurzeln liegen im Hip-Hop und im Arbeiten mit Vinyl. Welche Vorteile siehst du mittlerweile mit deinem aktuellen Set-up?
Also grundsätzlich sehe ich da keinen großen Vorteil. Ich nutze jetzt auch keine Scratches in meinen Sets, aber man kann mir jederzeit sagen "Spiel heute mal mit Vinyl" und ich werde das immer hinbekommen, was sicherlich in der Generation "DJ Controller und Sync Button" nicht mehr unbedingt zu erwarten ist. Ich habe halt noch so gelernt, aber in den 11 Jahren, die ich jetzt schon dabei bin, hat sich eben viel getan und ich verurteile diese Entwicklung auch nicht. Wenn das Set geil ist und du auch coole Tracks produzierst, dann leg halt auch auf mit was du willst.

Bist du eher ein Crate Digger, der sich stundenlang mit Tracksuche beschäftigt, oder geht es viel über zugeschickte Promo?
Eher ein Crate Digger, aktuell auch der Situation geschuldet, dass ich von den Labels von denen ich gerne Promos bekommen würde, noch keine bekomme.

Das Musikbusiness hat nicht nur Sonnenseiten. Woher nimmst du deinen Drive, dich stets zu motivieren und am Start zu bleiben?
Ich habe früh gelernt mit falschen Versprechungen und auch Enttäuschungen umzugehen. Ich bin froh, dass ich diese Erfahrungen machen und daran wachsen konnte. Heute haut mich manches dadurch nicht gleich so um. Natürlich muss man auch immer noch Rückschläge verkraften, weil das Erhoffte nicht eintritt. Aber ich weiß dass ich dann einfach noch härter arbeiten muss. Ich mache das alles ja nicht nur aus dem Grund um Fame zu bekommen und Geld zu verdienen. Ich liebe es einfach, und nicht weil es grad mal hip ist DJ und Produzent zu sein, sondern einfach weil es wirklich mein Leben ist und auch alles irgendwie bestimmt, was ich mache. Ich kann mir mein Sein einfach nicht ohne Musik vorstellen, das kann glaube ich jeder nachvollziehen, der seinen Traumjob gefunden hat. Ich hatte keine musikalische Früherziehung, kann weder Gitarre noch Klavier spielen, aber ich hab mich schon als Kind für Musik interessiert, nur kam das wirkliche Interesse sich damit tiefer zu beschäftigen einfach erst später.

Welche Vorzüge und welchen Power holst du aus Deiner Heimatstadt Halle für deine Arbeit?
Ich muss sagen, dass ich ziemlich gesegnet bin mit meinem Umfeld. Ich hatte das Glück schon früh von Super Flu gefördert zu werden und zuletzt auch von Monkey Safari. Bei beiden muss ich mich besonders bedanken, weil ich von ihnen starken Rückhalt bekomme und es schön ist, zu einer kleinen Familie zusammenzuwachsen, wie das bei Hommage der Fall ist. Aber wir verbringen natürlich auch privat so oft es geht Zeit miteinander und quatschen dann beim Grillabend mit einem Glas Prosecco über Fußball und spielen Uno in einer nicht jugendfreien Version.

Für dich steht in diesem Jahr unter anderem auch ein Showcase auf dem ADE an – was verbindest du mit dem Event?
Ich warte wirklich sehnsüchtig auf das ADE im Oktober, denn das ADE 2014 war wohl meine beste Woche im vergangenen Jahr, zusammen mit allen Monaberry Künstlern auf einem Hausboot mitten in Amsterdam. Das hat den Zusammenhalt schon gestärkt und ich hoffe, dass es dieses Mal mindestens genauso schön wird.

Wie sieht deine Roadmap für das restliche Jahr aus?
Aktuell gibt es einige Gigs in Deutschland, aber wir arbeiten auch an meiner ersten kleinen US-Tour. Mal sehen was sich daraus noch entwickelt für dieses Jahr.

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