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Interviews

Hallo: Rich & Maroq

Genuss des Augenblicks in einer viel zu schnellen Welt

  • Mixmag Redaktion
  • 21 June 2015
Hallo: Rich & Maroq

Rich & Maroq vereint die Liebe zu deepen Klängen. Die beiden Wahlberliner stammen aus Peru und Schottland, liefen sich in der Hauptstadt über den Weg und starteten ihre gemeinsame musikalische Reise in 2008. Schnell spielten die zwei DJs und Produzenten in den Clubs der Stadt, fanden Support im Kollektiv "Vergissmeinnicht" und wurden international neben Acts wie Ian Pooley und Camea gebucht. Lange Zeit blieben die beiden unter dem Radar der medialen Welt, fremdelten mit vielen der Social Media Kanälen und verorteten sich lieber dort wo die Szene stattfindet – im Club und auf Festivals. Während Richard Elcox vor kurzem seine erste Solo EP veröffentlichte sitzen Rich & Maroq derzeit an den Endzügen ihrer nächsten EP. Mixmag sprach mit den beiden Künstlern, die in Clubs wie dem Berliner Kater Blau zu Hause sind und mit einem tiefen, reduziert technoiden und zugleich sphärischen Klang aufwarten.

Ihr habt beide eine spannende Reise und Geschichte hinter euch. Wo liegen eure musikalischen Wurzeln und wie haben sich eure Wege letzten Endes in Berlin gekreuzt?
Maroq: Meine musikalischen Wurzeln liegen im Rock `n´ Roll der 60er und 70er. Zu meiner Schulzeit habe ich in einer Band gesungen und die zweite Gitarre gespielt. Erst als ich 2001 nach Berlin kam, habe ich die elektronische Musik für mich entdeckt.

Rich: Ich bin quasi mit elektronischer Musik aufgewachsen. Mein ältester Bruder war damals ein großer Einfluss für mich. Er zeigte mir schon sehr früh die Musik von Artists wie Brian Eno, Jean Michelle Jarre, Future Sound of London, Aphex Twin oder die ersten Plastic Man Stücke. Ich habe mich sofort verliebt und bin seitdem immer dran geblieben. Für ein paar Jahre landete ich in der Psy-Trance Ecke, was mich schlussendlich nach Berlin geführt hat. Hier haben Maroq und ich uns dann richtig kennengelernt und er führte mich in die hiesige Underground-House-Szene ein.

Spielen eure Herkunftsländer Peru & Schottland eine Rolle in dem Sound, den ihr macht?
Rich: Nicht so wirklich. Ich kann nicht von mir behaupten, dass ich versucht habe die charakteristischen gälische Rhythmen zu verarbeiten. Außerdem spiele ich noch nicht gut genug Dart, um anständigen Dudelsack-House zu produzieren. Aber Schottland ist auf jeden Fall meine Heimat, der Ort an dem ich aufgewachsen bin, die ersten Cluberfahrungen gemacht habe etc. Ich glaube also schon. dass meine Erfahrungen in Schottland einen gewissen Einfluss auf meine heutigen Überzeugungen und meinen kreativen Output genommen haben.

Maroq: Ich bin in Peru geboren und aufgewachsen doch erst die vielen Jahre in Berlin haben mein Verständnis für elektronische Musik geprägt.

Eure Sets sind oftmals sehr sphärisch und mit langen Aufbauten ausgestattet. Entstehen die Sets eher aus der Situation heraus oder durch klare geplante Strukturen?
Rich: Ein bisschen etwas von beidem würde ich sagen. Wir geben uns vor jedem Gig viel Mühe uns bestmöglich vorzubereiten. Wir machen eine Studio-Session, gehen durch die Tracks und nehmen eine schöne Selektion vor. Diese Playlist dient vor allem dazu, den Überblick über die Tonarten zu bewahren und uns daran zu erinnern, welche Tracks besonders gut miteinander harmonieren.

Maroq: Uns ist es auch sehr wichtig ein Gefühl für die Intensität der Musik zu haben, da wir gerne auf einen Bogen, einen sanften Aufbau, hinarbeiten. So gesehen könnte man schon sagen, dass es recht vorbereitet ist. Wobei das nicht heißt, dass Track für Track im Vorhinein fest steht. Vergleichbar mit einem Maler bereiten wir unser Bild vor. Wir entwerfen ein Konzept, wir wissen welche Farben wir verwenden wollen aber das Bild wird vor Ort gemalt.

Rich: Davon abgesehen gibt es auch immer wieder Gigs, bei denen wir das Konzept komplett verwerfen. Zugegebenermaßen hat auch das in der Vergangenheit schon zu großartigen Ergebnissen geführt.

Ihr seid in einem Kollektiv aktiv, welches in Südamerika, der Schweiz, Hamburg und Berlin sitzt. Welche Idee steckt dahinter und wohin wollt ihr damit?
Maroq: Toleranz und Connectedness sind zwei der Eckpfeiler von Vergissmeinnicht und was damit genau gemeint ist, wird jeder verstehen, der die Berliner Clubkultur kennen gelernt hat. Ein Freund sagte mir einmal Vergissmeinnicht sei für ihn ein Synonym für den Genuss des Augenblicks in einer viel zu schnellen Welt. Diese Beschreibung hat mir sehr gefallen.

Rich: Vergissmeinnicht ist eine Vereinigung von Künstlern mit einem gemeinsamen Mindset. Wir glauben an Musik und Clubkultur als grenzübergreifendes, verbindendes Element und unterstützen uns gegenseitig wo wir nur können.

Ihr switcht auf unterschiedliches Equipment - ob nun klassisch mit Vinyl, CDJs oder Controller. Womit arbeitet ihr am liebsten?
Rich: Gute Frage, mit der wir uns im Moment auch intensiv beschäftigen. Im letzten Jahr haben wir vor allem den S4 benutzt und sind es so langsam leid. Das Teil verträgt sich leider nicht mit zu viel Touring. In der Zukunft werden wir wahrscheinlich Ableton und Traktor zu einem Live-Set-up mit Ableton & Traktor und ein paar Controllern integrieren. Das funktioniert ganz gut. Aber natürlich kann man das nicht mit dem Gefühl von Vinyl vergleichen. Das Gewicht, der Geruch oder auch die permanente Konzentration darauf im Mix! Es ist sehr schön diesen Weg gelernt zu haben. Eine unschätzbare Fähigkeit, die definitiv einen Vorteil mit sich bringt.

In Kürze darf man sich auf Releases von euch freuen. Wohin wird es soundtechnisch gehen?
Rich: Ja, wir haben zwei schöne EPs fertig die, wenn alles läuft wie geplant, noch in diesem Jahr erscheinen werden. Die erste kommt im August über Vergissmeinnicht heraus. Mehr können wir im Moment noch nicht verraten. Die Musik würde man glaube ich in die Genre-Schublade „Deep House" stecken, wobei ich immer noch finde, dass die Bezeichnung nicht wirklich passt. Unser Sound ist treibend, intensiv, voller, vielleicht sogar ein bisschen aggressiver.

Worauf freut ihr euch in diesem Jahr noch besonders?
Jorge: Ich bin mega stolz auf unsere zwei EPs und kann den Releasetermin kaum erwarten. Die Reaktionen aus unserem Freundeskreis sind der Hammer und ich bin echt gespannt auf das Feedback.

Rich: Abgesehen von der "ROTH" EP, die bald auf Vergissmeinnicht erscheint, freue ich mich vor allem auf mehr Studiozeit, um einfach so viele Ideen wie möglich umzusetzen. Produzieren macht mich happy und ich versuche darum wann immer es geht im Studio zu abzuhängen. Im Moment habe ich das Gefühl nicht genug gemacht zu haben. In mir hat sich einiges angestaut und ich freue mich darauf das rauszulassen.

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